Husten - Infekt oder Stoffwechselproblem?

       

Kim Carina Lagler & Lars Schwauna
Husten beim Pferd – Infekt oder Stoffwechselproblem? 

Der warme Winter und die ständigen Temperaturwechsel sorgen auch in diesem Jahr wieder für viele hustende Pferde in den Ställen. Ihr Immunsystem ist häufig geschwächt und der Organismus hat mit den starken Schwankungen von Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu kämpfen. 

Ein Husten sollte in keinem Fall auf die leichte Schulter genommen werden! Die Ursache liegt in vielen Fällen nämlich nicht nur in einem einfachen Infekt, sondern etwas tiefer. 

Bei einer Atemwegsproblematik gehen viele Pferdehalter zunächst von einem Problem der Lunge aus. Die Atemwege des Pferdes bestehen aber nicht nur aus der Lunge - sie beginnen schon an den Nüstern des Pferdes. Die oberen Atemwege können Staub filtern und fangen auch verschiedene Krankheitserreger ab, die dann auf den Schleimhäuten haften bleiben. Dies ist ein, von der Natur sehr schlau durchdachtes, System, da von den oberen Atemwegen der Schleim viel leichter abfließen kann, als aus der Lunge. Viele der von uns als „Husten“ oder „Erkältung“ beschriebenen Krankheitsverläufe, laufen also tatsächlich gar nicht in der Lunge ab, sondern in den oberen Atemwegen, die bis zum Kehlkopf gehen.   

Bereits ein geschwächtes Immunsystem kann dazu führen, dass sich die Schleimhäute der Atemwege entzünden. Ein Husten zeigt sich hier meist als Hustenreiz, bei dem das Pferd jedoch keine Verschleimung aufweist. Stäube, die vom Pferd eingeatmet werden, können nicht nur zu Reizhusten, sondern auch zu weiteren Entzündungen der Schleimhäute beitragen. Daher sollte bei empfindlichen Pferden darauf geachtet werden, dass sie in einer möglichst staubarmen Umgebung stehen.   

Bei einem hustenden Pferd muss immer unterschieden werden, ob das Pferd wirklich verschleimt ist oder der Husten von gereizten Schleimhäuten herrührt. Die Therapie unterscheidet dann zwischen schleimlösenden oder schleimbildenden Maßnahmen oder auch gänzlich anderen Therapiemethoden - dazu später mehr.   

Eine ganzheitliche Anamnese ist unerlässlich 
Leider gibt es bei Pferden immer wieder die Diagnose „Heustauballergie“. Dabei haben Pferde in den seltensten Fällen tatsächlich eine richtige Allergie gegen Heustaub. Das Problem liegt vielmehr darin, dass der Heustaub einen Hustenreiz auslösen kann. Die Ursache für die gereizten Atemwege liegt in der Regel aber woanders. Häufig ist das Problem auch nicht direkt der Staub, sondern Schimmelsporen, die den Reiz auslösen. Hier gilt es genau zu differenzieren, was genau den Husten auslöst und wodurch es besser wird. 

Eine ganzheitliche und genaue Ursachenforschung ist bei Atemwegsproblemen demnach unerlässlich. Behandelt man den Husten lediglich als Symptom, bekommt man oft zeitnah die Quittung. Denn die Probleme kommen schnell wieder. Neben Infekten, die z.B. durch ein geschwächtes Immunsystem entstehen, sollten immer noch andere Faktoren mit in die Anamnese einbezogen werden, damit diese zumindest ausgeschlossen werden können.   

Reiner Infekt oder eine tiefere Ursache? 
Viele Atemwegsprobleme entstehen durch eine Störung im Dickdarm bzw. in der Bakterienflora – dem sogenannten Mikrobiom. In der Traditionellen Chinesischen Medizin ist der Zusammenhang zwischen Dickdarm und Lunge bereits seit tausenden von Jahren bekannt und auch in der modernen Medizin gewinnt dieses Wissen langsam an Wichtigkeit. Bestehende Dickdarmprobleme oder Störungen der Bakterienflora sollten daher unbedingt mit behandelt oder jedenfalls ausgeschlossen werden. Pferde sind unheimlich gut im Kompensieren, was dazu führen kann, dass sich das Problem in der Lunge erst zeitverzögert zeigt. Das wiederum führt leider dazu, dass der Zusammenhang übersehen werden kann. 

Der  Zusammenhang ist relativ einfach zu verstehen. Ein gestörtes Dickdarmmilieu, z.B. durch Übersäuerung aufgrund einer Fütterung mit Heulage/ Silage, führt zu entzündeten Darmschleimhäuten. Darmschleimhautentzündungen und daraus resultierende Entgiftungsprobleme in der Leber führen dazu, dass dem Organismus massiv Schwefel entzogen wird. Schwefel ist im Organismus u.a. für etliche Stoffwechselvorgänge notwendig sowie für gutes Fell, gute Haut und gutes Hufhorn unerlässlich. Darüber hinaus ist Schwefel jedoch auch essentiell für die Cysteinbildung. Cystein (eine Aminosäure) wird in den Atemwegen für die Schleimbildung - also für die Schutzschicht und Befeuchtung der Schleimhäute - benötigt. Ein entsprechender Mangel kann daher zu trockenen und gereizten Atemwegen führen; ein optimales Milieu für die Ansammlung von Keimen.   

Eine gute Raumluftqualität ist wichtig 
Ein wichtiger Faktor, der bei der Entstehung von Atemwegsproblemen betrachtet werden muss, ist die Raumluftqualität. Hält man sich einige Zeit in einer nicht gemisteten Box auf, wird schnell klar warum. Durch Urin und Kot freigesetztes Ammoniak reizt unsere Schleimhäute stark. Pferdeställe sollten daher immer gut und vor allem täglich gemistet werden.  Interessant zu wissen ist auch, dass die Ammoniakbelastung im Stall in einem direkten Verhältnis zu einer proteinreichen Fütterung steht. Große Eiweißmengen belasten Leber und Nieren der Pferde und führen zu einer erhöhten Ammoniakausscheidung.   

Es ist also grundsätzlich wichtig im Stall für eine gute Raumluft bzw. Belüftung zu sorgen. Von geschlossenen Türen und Fenstern ist abzuraten, da eine hohe Luftfeuchtigkeit zu vermehrtem Schimmelwachstum führt. Zusätzlich führt eine hohe Luftfeuchtigkeit oftmals zu einer erschwerten und flacheren Atmung – die Lunge wird nicht mehr optimal belüftet und es finden sich Angriffsflächen für Keime.  Ebenfalls sollte im Stall nicht gefegt oder eingestreut werden, solange Pferde vor Ort sind, da die Staubbelastung höchst problematisch für die Atemwege ist. 

Bei sehr empfindlichen Pferden sollte die Einstreu lieber aus Spänen als aus Stroh bestehen.   

Bewegung, Bewegung, Bewegung 
Insbesondere im Herbst und Winter, wenn das Wetter kalt und nass ist und viele Pferde aufgestallt sind, nimmt meist auch die Bewegung der Pferde ab. Die Tage sind kurz und wer keine Reithalle oder keinen beleuchteten Reitplatz zur Verfügung hat, bekommt schnell einmal Schwierigkeiten, seinem Vierbeiner die nötige Bewegung zukommen zu lassen. Dabei ist eine entsprechende Bewegung und eine damit zusammenhängende Sauerstoffaufnahme und Belüftung der Lungen sehr wichtig. Sowohl für die Atemwege, als auch für den gesamten Pferdestoffwechsel. 

Auch Offenstall-Pferde bewegen sich nicht unbedingt ausreichend von selbst. Die Annahme, dass sich Pferde im Offenstall ständig und viel bewegen, nur weil sie immer an der frischen Luft stehen und genügend Platz haben, geht leider nicht immer auf.   

Der Pferdestoffwechsel wird durch drei Faktoren unterhalten: Nahrung, Trinkwasser und Atemluft. An dieser Stelle wird klar, wie wichtig eine optimale Sauerstoffversorgung ist. Durch die Bewegung werden die Zellen umfassend mit Sauerstoff versorgt und Stoffwechselprozesse können besser ablaufen. Durch langes Stehen auf engem Raum und dem damit verbundenen Sauerstoffmangel können sich die Pferde regelrecht „krank stehen“. Um die nötige Sauerstoffversorgung zu gewährleisten, sollte ein Pferd einmal am Tag über die Grundatmung hinaus trainiert werden. So erhält man sowohl eine positive Stoffwechselanregung als auch eine gute Belüftung der Lunge und der Atemwege. Diese Empfehlung gilt natürlich nur für gesunde Pferde. Bei Pferden mit Atemwegsproblemen oder anderweitigen Einschränkungen, zählt immer der individuelle Gesundheitszustand, an dem sich unbedingt orientiert werden muss.   

Maßnahmen im Überblick 
Wie bereits erwähnt, ist die Ursache des Hustens für die Therapie entscheidend.  Ein „normaler“ Infekt z.B. kann hervorragend mit Kräutern unterstützt werden. Hier eignen sich immunstärkende Kräuter, wie Zistrose, Taigawurzel sowie Schwarzkümmel und Hagebutten. Zusätzlich können auch Kräuter für die Atemwege gefüttert werden. Typische Hustenkräuter zur Anwendung bei Verschleimung sind z.B. Thymian, Süßholzwurzel, Fenchel, Schlüsselblumenwurzel und auch Stiefmütterchenkraut. Bei einem Reizhusten kann man hervorragend mit schleimbildenden Kräutern arbeiten. Hier eignet sich zum Beispiel Eibischwurzel, Island Moos, Malvenblätter und Spitzwegerich. 

Bei einer chronischen Hustenproblematik oder einem Husten, der nur saisonal oder zu bestimmten Zeiten (z.B. im Fellwechsel) auftritt, sollte man in jedem Fall auf Ursachenforschung gehen. Häufig findet man bei den betroffenen Pferden Probleme im Stoffwechsel oder eine KPU (Kryptopyrrolurie). In diesen Fällen kann eine entsprechende Stoffwechseltherapie zu einer Verbesserung führen. Auch die Substitution von Schwefel (in Form von MSM) ist in vielen Fällen einer Stoffwechselproblematik sinnvoll und kann auch Atemwegsprobleme erheblich verbessern.   

Liegt aufgrund vorheriger Arzneimittelgaben der Verdacht nahe, dass Schleim in den Bronchien versackt ist, kann der Einsatz eines mobilen Inhalators mit hochprozentiger Kochsalzlösung eine gute Unterstützung liefern.  Sowohl der Einsatz von Kräutern, die Behandlung mit einem mobilen Inhalator, sowie alle anderen Therapien sollten von einem erfahrenen Therapeuten begleitet werden. Dieser kennt sich mit möglichen Problemen, Nebenwirkungen und Kontraindikationen auskennt und kann im Fall der Fälle „gegensteuern“.   

Nicht alles was Husten lindert macht Sinn
Bei der konventionellen Behandlung von Hustenerkrankungen die eine Verschleimung  zur Ursache haben, werden seit einigen Jahren Produkte mit bronchodilatatorischen und sekretolytischen Eigenschaften eingesetzt. Diese Pharmazeutika haben eine bronchienerweiternde UND eine schleimlösende Wirkung. Die Kombination könnte fataler nicht sein. Oftmals scheint es nach der Behandlung so, dass der Husten im Griff ist. Allerdings sitzt das Problem tiefer.

Durch die schleimlösende Wirkung wird der vorhandene Schleim gelöst und verflüssigt und könnte jetzt theoretisch abgehustet werden. Die gleichzeitige bronchienerweiternde Wirkung führt jedoch dazu, dass er in vielen Fällen versackt. Der Schleim gerät somit tiefer in die Bronchien und es können chronische bzw. längerfristige Atemwegsproblematiken entstehen. Auch andere Maßnahmen, die den Hustenreiz unterdrücken, sind nicht wirklich empfehlenswert. Husten ist grundsätzlich erstmal nichts schlimmes. Der Hustenreiz sorgt dafür, dass der gelöste Schleim abgehustet werden kann und sollte daher nicht unterdrückt werden.   

Heulage statt Heu bei Atemwegsproblemen 
Der bereits beschriebene Zusammenhang, dass eine Übersäuerung im Dickdarm zu Darm- und Lungenproblemen führt, zeigt sehr deutlich, dass Heulage keine Alternative zur Heu-Fütterung darstellt. Heulage bindet zwar Staub und löst damit deutlich weniger Hustenreiz aus, sie führt jedoch zeitgleich zu weiteren schwerwiegenden Stoffwechsel- und Verdauungsproblemen. Das eigentliche Atemwegsproblem wird verschleiert.   

Fazit  Bezieht man alle beschriebenen Punkte in die Anamnese ein, wird schnell klar, dass es kein Pauschalrezept gegen Husten gibt, bzw. dass man in jedem Fall genau hinschauen sollte.   

Differenzieren sollte man vor allem folgende Punkte:  

  • Ist das Pferd verschleimt oder entsteht der Husten durch gereizte bzw. entzündete Schleimhäute in den Atemwegen? 

 

  • Liegt die Ursache in einem Infekt, weil z.B. das Immunsystem des Pferdes gerade geschwächt ist oder ist diese Option wahrscheinlich, weil mehrere Pferde in der Herde betroffen sind? 

 

  • Gibt es Faktoren, die auf eine bisher nicht beachtete Darmproblematik/ Stoffwechselstörung schließen lassen? 

 

Aufgrund der umfangreichen Möglichkeiten, die einen Husten bedingen können, ist es auf keinen Fall ratsam pauschal ein paar Hustenkräuter oder einen Schleimlöser zu geben. Der sichere Weg wäre einen gut ausgebildeten Therapeuten mit ins Boot zu holen, der mittels einer ganzheitlichen Anamnese feststellen kann, wo genau das Problem liegt. So kann dem Pferd eine schnellere und nachhaltigere Unterstützung zukommen und darüber hinaus meist viel Zeit und Geld gespart werden.  

 

Bei Unsicherheiten über Fütterung, Diagnosen, Medikamentierung oder mögliche Zusammenhänge, stehen wir gern jederzeit zur Verfügung. 

 

Über die Autoren: 

Kim Carina Lagler arbeitet seit Jahren mit Hunden und Pferden in verschiedenen Bereichen und betreibt eine Praxis für ganzheitliche Hunde- und Pferdetherapie. 
Lars Schwauna ist spezialisiert auf phytotherapeutische Behandlungen am Pferd und arbeitet als Pferdetherapeut sowie im Bereich der energetischen Heilarbeit für Mensch und Pferd. 
 
Beide Autoren wurden u.a. von Dr. Christina Fritz ausgebildet und sind als Stoffwechseltherapeuten in Norddeutschland tätig. 

Du hast Fragen und suchst therapeutische Unterstützung für dein Pferd? Dann lass es mich gerne wissen – ich freue mich darauf euch unterstützen zu dürfen!

Innerhalb von Schleswig-Holstein und Hamburg komme ich gerne persönlich zu euch in den Stall. Solltest du weiter weg wohnen ist auch das kein Problem. Die meisten Fälle lassen sich auch erfolgreich aus der Ferne unterstützen. Schau dazu gerne unter die einzelnen Angebote unter meinen Leistungen.

Kim Carina Lagler
Praxis für ganzheitliche Pferde- und Hundetherapie

Tel.: 01575 / 436 84 88
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Lars Schwauna
Ganzheitlicher Pferdetherapeut & Energetische Heilarbeit

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Mail: info@lars-schwauna.de
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